K.O.-Tropfen steht meist für GHB, in der Partyszene auch bekannt als „Liquid Ecstacy“. K.O.-Mittel können jedoch auch andere Stoffe sein, die ahnungslosen Frauen und Männern heimlich in Drinks gemischt werden. Ziel ist es, das Opfer wehrlos zu machen. Was genau sind K.O.-Tropfen und wie wirken sie?

K.O.-Tropfen steht meist für GHB, in der Partyszene auch bekannt als „Liquid Ecstacy“. K.O.-Mittel können jedoch auch andere Stoffe sein, die ahnungslosen Frauen und Männern heimlich in Drinks gemischt werden. Ziel ist es, das Opfer wehrlos zu machen. Was genau sind K.O.-Tropfen und wie wirken sie?

K.O.-Tropfen sind Drogen, die einen Menschen bewusstlos, hilflos oder handlungsunfähig machen. Dahinter können sich verschiedene Wirkstoffe verbergen. In der Medizin werden sie als Narkose- oder Beruhigungsmittel eingesetzt. Manche dieser Medikamente sind tatsächlich flüssig, andere Pulver oder Tabletten. Straftäter benutzen diese Stoffe, damit ihre Opfer bei Sexualstraftaten oder Diebstahl bewusstlos und wehrlos sind.

Substanzen, die von Straftätern als K.O.-Tropfen genutzt werden, sind zum Beispiel:

GHB und GBL

Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) bzw. Gamma-Butyrolacton (GBL – Vorstufe von GHB) - in der Partyszene bekannt unter "Liquid Ecstasy", "Liquid E", "Liquid X". GHB wurde als Narkosemittel entwickelt und wird heute medizinisch kaum noch eingesetzt. Weder chemisch noch von der Wirkung her ist GHB mit Amphetaminen oder Ecstacy (MDMA) verwandt. GBL ist eine Vorstufe von GHB und wird im Körper zu GHB umgewandelt.

Ketamin

Dieses Mittel wird als Narkosemittel in der Tiermedizin und in der Notfallmedizin als Schmerzmittel angewendet.

Benzos, Flunis, Rohpies

Dahinter verbergen sich rezeptpflichtige Beruhigungsmittel und Psychopharmaka aus der Gruppe der Benzodiazepine wie beispielsweise Flunitrazepam (Handelsname Rohypnol), Alprazolam (Handelsname Xanax), Diazepam (Handelsname Valium).

Es gibt leichte Unterschiede im Hinblick darauf, wann die Stoffe wirken und wie lange. Alle Substanzen haben jedoch gemeinsam, dass sie die Bewegungs- und Handlungsfähigkeit einschränken: Es kann zu einem tiefen, koma-artigen Schlaf bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen.

K.O.-Tropfen wirken unterschiedlich, je nach körperlicher Verfassung, wie lange die letzte Mahlzeit zurückliegt, Alkoholgenuss, Medikamenten- oder Drogenkonsum. Je nach Dosierung reicht die Wirkung von Entspannung, sexueller Enthemmung bis hin zu tiefer Bewusstlosigkeit, die auch lebensbedrohlich sein kann.

Erste Symptome: Schwindel und Übelkeit

Die erste Wirkung setzt ungefähr 10 bis 20 Minuten nach der Einnahme ein. Direkt nach der Einnahme von K.O.-Tropfen wird den Betroffenen meistens ganz plötzlich übel und schwindlig. Oft vermuten sie, dass diese Wirkung vom Alkohol kommt, auch wenn sie bis dahin nicht übermäßig viel getrunken haben.

Zunächst können die Substanzen auch euphorisierend und enthemmend wirken. Betroffene berichten, dass sie zunächst ungebremst flirteten oder massiv auf ihre Begleitpersonen eingeredet haben. Sie können eine Zeitlang noch normal reden und sich bewegen. Für Außenstehende erscheint alles relativ unauffällig. Die Betroffenen wirken höchstens etwas angetrunken oder teilnahmslos.

Opfer sind willenlos und manipulierbar

Jedoch schon vor einer Bewusstlosigkeit sind die Frauen und Mädchen unter diesen Substanzen praktisch willenlos und leicht manipulierbar. Rückwirkend können sie sich an diesen Wachzustand nicht mehr erinnern.

So wird klar, warum die Täter K.O.-Tropfen in der Öffentlichkeit einsetzen können: Ihnen bleibt genug Zeit, mit der Frau Kontakt aufzunehmen oder Hilfe anzubieten, um sie dann nach draußen oder an einen anderen Ort zu bringen. Dort sind die Betroffenen dann leichte Beute für die Täter.

Volle Wirkung: Plötzliche Müdigkeit setzt ein

Nach dem ersten "Anfluten" setzt bei entsprechend hoher Dosierung eine plötzliche Müdigkeit ein. Die Opfer fallen in einen tiefen Schlaf oder werden sogar bewusstlos. Wenn sie eingeschlafen oder bewusstlos sind, kommen sie erst nach Stunden wieder zu sich.

Werden die K.O.-Tropfen mit Alkohol eingenommen, verstärkt sich die Wirkung, zum Teil mit gefährlichen Folgen: Es kann nicht nur zu Bewusstlosigkeit sondern auch zu Atemstillstand kommen.

Filmriss beim Aufwachen

Beim Aufwachen fühlen sich die Betroffenen oft extrem "verkatert", völlig matt und stehen immer noch neben sich. In fast allen Fällen haben sie später keine konkreten Erinnerungen mehr, viele berichten von einem Blackout oder totalen Filmriss.

In Fachkreisen spricht man von "anterograder Amnesie" – die Substanzen bewirken, dass die Erinnerung rückwirkend nur ganz kurze Zeit funktioniert. Zu einem späteren Zeitpunkt können die zurückliegenden Ereignisse dann meist nicht mehr erinnert werden. Daher wissen zum Beispiel viele Betroffene nicht mehr, wie sie nach Hause gekommen sind.

Viele spüren, dass etwas geschehen ist, sie haben Schmerzen und Verletzungen, die sie sich nicht erklären können. Die Ungewissheit darüber, was genau passiert ist, und ihre Gedächtnislücken machen vielen sehr zu schaffen.

K.O.-Tropfen: oft flüssig und farblos

GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) ist meistens flüssig und farblos. Der leicht salzige und seifige Geschmack wird oft vom Eigengeschmack der Getränke, in die sie gegeben werden, überdeckt. Andere Substanzen gibt es als Pulver oder Kapseln, die sich ebenfalls in Getränken auflösen.

Für Ahnungslose nicht bemerkbar

Im Getränk sind sie für Ahnungslose meistens nicht herauszuschmecken. Deshalb ist es relativ einfach, K.O.-Tropfen auf Partys, in Clubs oder in Kneipen in offen stehende Gläser oder Flaschen zu geben. Manchmal werden sie auch unter Essen gemischt.

Auf Getränke aufpassen

Nicht nur Fremde sind Täter, auch flüchtige Bekannte oder Freunde können zu Tätern werden. Manchmal sind die Täter auch in Gruppen unterwegs: Einer sorgt für Ablenkung, während der andere K.O-Tropfen ins Getränk mischt. Steht das Glas unbeobachtet herum, ist oft noch nicht mal ein Ablenkungsmanöver nötig.

Das Tückische: Die Substanzen sind farb- und weitgehend geruchlos. Vermischt mit einem Getränk oder im Essen sind K.O.-Tropfen für ahnungslose Personen oft nicht zu riechen oder zu schmecken.

Was sagt das Gesetz?

Seit 2002 ist GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt. Das heißt konkret: Der Besitz, Kauf, Handel sowie die Abgabe und Verabreichung von GHB ist strafbar. Auch verschreibungspflichtige Psychopharmaka wie Benzodiazepine unterliegen in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.

Das heißt allerdings nicht, dass es für Täter unmöglich oder besonders schwierig ist, an die entsprechenden Stoffe zu kommen. GBL, eine Vorstufe von GHB, ist in Deutschland sogar legal erhältlich.

Nach deutschem Recht ist der sexuelle Missbrauch widerstandsunfähiger Personen strafbar, nach Paragraf 179 des Strafgesetzbuches drohen den Tätern bei einer Überführung und Verurteilung bis zu 10 Jahren Gefängnis. Aber auch ohne sexuelle Übergriffe ist die Verabreichung von K.O.-Tropfen an ahnungslose Personen strafbar, rechtlich gilt das als gefährliche Körperverletzung.

Was sagt der Polizeibericht?

Die Dunkelziffer ist hoch: Niemand weiß genau, wie häufig Vergewaltigungen und andere Straftaten unter K.O.-Tropfen statt finden. Das hat verschiedene Gründe:

  • K.O.-Tropfen sind nur kurze Zeit im Körper nachweisbar. In diesem Zeitraum sind die Betroffenen jedoch oft noch nicht handlungsfähig. Oftmals begreifen sie erst Tage oder Wochen später, was mit ihnen passiert ist. Der totale Filmriss (retrograde Amnesie) sorgt zudem dafür, dass sich die meisten auch nicht mehr erinnern können, was vor dem Ereignis passiert ist.
  • Das persönliche Schamgefühl – verbunden mit Erinnerungslücken – verhindert oft, dass die Opfer direkt zur Polizei zu gehen.
  • Mangelndes Verständnis bei Polizei, aber auch bei Ärzten und Krankenhäusern: Menschen mit Erinnerungslücken, die von bizzarren Ereignissen berichten, werden bei Polizei und Notärzten manchmal nicht ernst genommen. Vielen wird vorgeworfen, dass sie einfach zu viel Alkohol getrunken oder zu viele Partydrogen konsumiert haben.
  • Da der gerichtsmedizinische Nachweis der Substanzen schwierig ist und nach einer kurzen Zeit kaum noch möglich, können die Betroffenen ihre Vermutung oft nicht beweisen. Selbst wenn ein Täter ermittelt werden kann, wird die Glaubwürdigkeit der Opfer durch den fehlenden Nachweis der Substanzen oft hinterfragt.

Immer mehr Betroffene suchen Beratung

Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen berichten jedoch über einen Anstieg der Fälle. Bei ihnen melden sich immer mehr Frauen und Mädchen, die mit Hilfe von K.O.-Tropfen vergewaltigt oder missbraucht worden sind.

Nur in bei einem Bruchteil der Fälle sind die Betroffenen jedoch zur Polizei gegangen, in noch weniger Fällen konnten die Substanzen gerichtsmedizinisch nachgewiesen werden. Wie oft es zu einer Verurteilung des Täters kommt, ist nicht bekannt.

Aufklärung und Information:

Hier muss sich etwas ändern! Notwendig ist Aufklärung: Einerseits für Polizei, Krankenhäuser und Notärzte, damit diese mehr über die Ausnahmesituation von Frauen erfahren, die mit K.O.-Tropfen vergewaltigt worden sind.

Notwendig ist aber auch Information für Frauen und Mädchen – damit sie sich schützen können. Und damit sie im Ernstfall wissen, was zu tun ist und an wen sie sich wenden können.