Übergriffe unter dem Einfluss von KO-Drogen sind Verbrechen und allein die Täter sind dafür verantwortlich! Wir geben hier einige Tipps, die helfen können, sicherer durch das Nachtleben zu gehen. Wenn du Opfer geworden bist, liegt das jedoch niemals an deinem Verhalten. Es gibt kein Falsch oder Richtig.

Oft werden K.O.-Tropfen und ähnliche Substanzen von Tätern in offen stehende Getränke gegeben. Das kann auf privaten Partys passieren, in Clubs oder auch in Kneipen und Restaurants. Manchmal werden sie auch unter Essen gemischt. Aber auch die eigene Wohnung kann zum Tatort werden.

K.O.-Tropfen sind in der Regel flüssig und farblos. Der leicht salzige und seifige Geschmack wird oft vom Eigengeschmack der Getränke, in die sie gegeben werden, überdeckt. Andere Substanzen gibt es als Pulver oder Kapseln, die sich ebenfalls in Getränken auflösen.

Oft werden K.O.-Tropfen auch eingesetzt, um die verwirrten Opfer zu berauben ("Beischlafraub").

Wer macht sowas? - Sexuelle Übergriffe unter K.O.-Tropfen

Die Täter können völlig fremde Männer sein. Sie können alleine oder in Gruppen aktiv sein. Aber auch flüchtige Bekannte, Freunde mit denen man unterwegs ist, oder Arbeitskollegen können zu Tätern werden.

Einige Frauen berichten, dass sie bei Internet-Dates oder Blind Dates mit K.O.-Tropfen außer Gefecht gesetzt und vergewaltigt wurden.

Der Grund für diese Verbrechen ist niemals im Verhalten der Opfer zu suchen. Jeder Mensch hat das Recht auf Selbstbestimmung und auf Schutz wenn er/sie Opfer geworden ist.

Verantwortlich für die Taten sind niemals die Opfer, es gibt keine "falschen" oder "richtigen" Verhaltensweisen! Trotzdem können folgende Tipps und Verhaltensregeln dabei helfen, sicherer im Nachtleben unterwegs zu sein. Es ist auch hilfreich, diese Punkte mit Freundinnen und Freunden zu diskutieren, mit denen du öfters ausgehst, damit ihr aufeinander aufpassen könnt.

  • Sei dir bewusst, dass die Täter sowohl Fremde als auch Freunde sein können. Auch Freunde und Bekannte sind nicht immer kalkulierbar.

Pass auf deine Getränke auf

  • Nimm kein offenes Getränk von Leuten an, die du nicht kennst.
  • Auch bei Freunden oder Partybekanntschaften: Nimm nur Getränke an, deren Weg du vom Tresen an verfolgt hast. Im Zweifelsfall auf einen Drink verzichten oder nur verschlossene Flaschen annehmen.
  • Lass dein Getränk nicht unbeobachtet stehen. Wenn doch, lieber ein neues Getränk bestellen. Macht untereinander aus, dass ihr gegenseitig auf eure Gläser aufpasst.
  • Trinke nicht zu viel Alkohol. Im Vollrausch bist du auch ohne K.O.-Tropfen leichter angreifbar. Wenn du betrunken bist, kannst du viele Situationen nicht mehr gut einschätzen.

Blind Dates: immer an einem öffentlichen Ort

  • Treffpunkt für Blind Dates: immer an einem öffentlichen, neutralen Ort, den du gut kennst.
  • Auch bei Internet-Verabredungen oder Blind Dates gilt: Lass dein Getränk und dein Essen nicht aus den Augen. Auch bei einem zweiten oder dritten Treffen ist es besser, vorsichtig zu sein.

Wenn sich die Welt plötzlich dreht: Hilfe holen

  • Wenn dir plötzlich schwindlig oder schlecht wird, sprich deine Freundinnen an und bitte sie um Hilfe. Das gleiche gilt, wenn du ohne Grund auf einmal völlig enthemmt oder extrem euphorisiert bist.
  • Wenn du Hilfe brauchst und allein unterwegs bist, wende dich an das Personal. Geh immer dorthin, wo auch andere Menschen sind.  
  • Vertraue deinem Instinkt: Wenn du dich in einem Club oder auf einer Party nicht sicher fühlst, dann gehe lieber.
  • Wenn du mit Freundinnen ausgehst, dann geht auch gemeinsam wieder nach Hause. Passt auf der Party aufeinander auf und verliert euch nicht aus den Augen.
  • Ruf im Zweifel die Polizei oder den Notarzt an.

Wie Freundinnen und Freunde aufeinander aufpassen können, erfährst du hier:

Der beste Schutz ist, nicht allein unterwegs zu sein. Wenn du mit Freundinnen und Freunden ausgehst, dann besprecht vorher, dass ihr aufeinander achtet und euch gegenseitig im Auge behaltet. Hier sind einige Punkte, über die ihr euch einig sein solltet:

Zusammen kommen, zusammen feiern und zusammen gehen

  • Wenn du mit Freundinnen ausgehst, dann geht auch gemeinsam wieder nach Hause. Passt auf der Party aufeinander auf und verliert euch nicht aus den Augen.
  • Wenn eine von euch früher nach Hause geht, dann sagt euch gegenseitig Bescheid.
  • Wenn ihr euch in einem Club oder auf einer Party unwohl fühlt oder nicht sicher, dann geht lieber.
  • Passt gegenseitig auf eure Getränke auf.

Im Ernstfall: Hilfe holen

  • Kümmere dich um deine Freundin, wenn es ihr plötzlich schlecht geht oder schwindlig wird. Lass sie nicht alleine. Das gleiche gilt, wenn du das Gefühl hast, dass sie ungewöhnlich euphorisiert oder enthemmt ist und nicht mehr für ihre Sicherheit sorgt.
  • Wenn deine Freundin bewusstlos wird oder plötzlich nicht mehr ansprechbar ist, dann rufe sofort den Notarzt.
  • Wenn du alleine überfordert bist, dann bitte andere Menschen um Hilfe. Sag dem Personal Bescheid und bitte sie, den Notarzt zu rufen. Lass deine Freundin auf keinen Fall alleine.
  • Notruf für Polizei (110) und Feuerwehr/Notarzt (112) funktioniert kostenlos von jedem Telefon, auch von Handys ohne Guthaben.

Lieber einmal umsonst nachfragen

  • Wenn dir auf einer Party jemand auffällt, der oder die benommen und orientierungslos ist, dann sprich sie an. Frag sie, ob alles in Ordnung ist, mit wem er oder sie unterwegs ist, ob du Hilfe holen oder jemanden anrufen sollst.

K.O.-Tropfen sind nicht nur ein Thema, das Mädchen oder Frauen angeht, auch Männer können Opfer von K.O.-Tropfen werden. Männer werden oft betäubt, damit man sie anschließend ausrauben kann. Aber auch bei Männern kann es zu Vergewaltigungen kommen.

K.O.-Tropfen in der Schwulenszene

Vor allem Schwulenprojekte berichten, dass sich Raubüberfälle und Vergewaltigungen unter Einsatz von K.O.-Tropfen häufen. Was als netter Flirt startet, kann mit einem Filmriss und dem Diebstahl von Geld und Wertgegenständen enden, teilweise auch mit Vergewaltigung. Manchmal sind es auch Stricher, die ihren Freiern unbemerkt K.O.-Tropfen oder andere Drogen ins Getränk mischen, um sie dann auszurauben. Hinterher können sich die Opfer an nichts mehr erinnern. Aus Scham oder aus Schuldgefühl heraus gehen sie nicht zur Polizei.

Lebensgefährlich werden K.O.-Tropfen für Menschen, die Medikamente gegen HIV einnehmen: Schon bei geringer Dosis verstärkt sich die Wirkung der K.O.-Tropfen um ein Vielfaches. Bewusstlosigkeit und lebensbedrohlicher Atemstillstand können dann die Folge sein.

Hilfe und Beratung für Männer

Die meisten Beratungsangebote für Opfer von K.O.-Tropfen wenden sich an Frauen und Mädchen. Hier finden Männer Hilfe und Unterstützung:

Maneo - Das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin: www.maneo.de

Opferhilfe Berlin - Hilfe für Opfer von Straftaten in Berlin: www.opferhilfe-berlin.de

Beratung für Männer in Krisensituationen gibt es zum Beispiel bei pro familia Berlin oder dem Familienplanungszentrum Balance.

Die Wirkung von K.O.-Tropfen ist bei jeder Person unterschiedlich. Sie ist abhängig von körperlicher Verfassung, Dosierung oder davon, wie viel vorher gegessen wurde. In Verbindung mit Alkohol und/oder anderen Drogen können K.O.-Tropfen auch lebensgefährlich werden.

Direkt nach der Einnahme wird den Betroffenen meistens übel oder schwindelig – so, als hätte man etwas zu viel getrunken. Die Bewusstlosigkeit setzt später ein. Bis dahin kann das Opfer sich zwar noch normal unterhalten und bewegen, die betroffene Person ist jedoch schon leicht zu manipulieren und relativ willenlos.

Nach dem Aufwachen kann sich das Opfer an das, was während der Bewusstlosigkeit und direkt davor passiert ist, nur noch bruchstückhaft oder gar nicht mehr erinnern.

Eine Überdosis K.O.-Tropfen kann gefährlich werden: Je nachdem, ob Alkohol, Medikamente oder andere Drogen konsumiert wurden, können K.O.-Tropfen zu einem Atem- oder Herzstillstand führen, ein Koma auslösen oder letztendlich sogar tödlich sein.

Wenn deine Freundin den Verdacht hat, dass sie unter K.O.-Tropfen vergewaltigt worden ist, braucht sie deine Hilfe und Unterstützung. Sei für sie da, auch wenn sie dich mitten in der Nacht rausgeklingelt hat.

Falls sie dich direkt nach der Tat anruft, wird sie wahrscheinlich noch nicht in der Lage sein, selbst klar zu denken und Entscheidungen zu treffen. Umso wichtiger ist es, dass du ihr zur Seite stehst und mit ihr zusammen die notwendigen Schritte unternimmst.

Was genau im Notfall zu tun ist, erfährst du in der Rubrik Erste Hilfe.

Sei im Notfall für sie da

Deine Freundin befindet sich in einer Ausnahmesituation und steht unter Schock. Sie braucht dich jetzt, deshalb fahre so schnell wie möglich zu ihr, wenn sie dich anruft. Lass sie möglichst nicht alleine. Sorge dafür dass du oder eine andere Person ihres Vertrauens bei ihr ist, wenn sie das möchte.

Begleite sie, wenn sie zur Polizei, zur Notaufnahme oder zu einer Ärztin gehen möchte. Vielleicht kann sie sich nicht selbst entscheiden und ist noch verwirrt. Wenn du Schritte unternimmst, informiere sie darüber beziehungsweise hole dir ihr Einverständnis.

Zuhören und Verständnis zeigen

Eine Vergewaltigung unter K.O.-Tropfen ist für die Betroffenen ein traumatisches Erlebnis, auch wenn sie sich oft nicht an den genauen Ablauf erinnern können. Gerade diese Erinnerungslücken können auch dafür sorgen, dass sich Schamgefühle und Selbstvorwürfe breit machen.

Deine Freundin kann sich für einige Wochen oder auch Monate aus ihrem normalen Leben herausgeworfen fühlen. Sie ist möglicherweise ängstlich, unruhig, angespannt, fühlt sich betäubt, erstarrt, hat Albträume oder Schlafstörungen. Das sind unter diesen Umständen "normale" Reaktionen. Wichtig in dieser Zeit ist, dass sie in einer Umgebung ist, in der sie sich sicher und aufgehoben fühlt und dass sie den Menschen in ihrer Umgebung vertraut.

Sei für sie da und höre zu. Setzte sie nicht unter Druck, dass sie schon nach kurzer Zeit wieder in ihr normales Leben zurückfinden müsste.

Profis können weiter helfen

Falls deine Freundin allein mit der Situation nicht fertig wird, ermutige sie, sich professionelle Unterstützung und Hilfe zu suchen. Die kann sie zum Beispiel bei Frauenberatungsstellen oder Frauennotrufen finden. Hier wird parteiisch beraten, das heißt, die die Glaubwürdigkeit deiner Freundin wird nicht hinterfragt. Diese Stellen bieten psychologische Beratung für Gewaltopfer, sie sind über K.O.-Tropfen informiert und bieten auch Unterstützung im Kontakt mit Ärzten oder der Polizei. Bei Bedarf können sie den Kontakt zu erfahrenen Rechtsanwältinnen vermitteln.