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Was bei der Polizei passiert

Wenn du Anzeige erstatten willst, musst du die Polizei einschalten. Dies ist nicht unbedingt einfach. Die Polizei wird dich befragen und versuchen, sich ein eigenes Bild von den Ereignissen zu machen. Es können auch für dich unangenehme Fragen gestellt werden, zum Beispiel zu deinem Drogen- oder Alkoholkonsum.

Für eine umfangreiche und gerichtsverwertbare Beweissicherung ist es jedoch am Besten, dass die Polizei möglichst schnell informiert wird. Du kannst 110 wählen, zur nächsten Polizeistation oder direkt zur Kriminalpolizei gehen. Wenn du direkt zur Kriminalpolizei (Abteilung Delikte am Menschen) gehst, ersparst du dir mehrfache Vernehmungen. Zuständig in Berlin ist das LKA, Fachkommissariat 13.

Wenn du bei der Polizei Anzeige erstattest, wird dich die Kriminalpolizei zur ärztlichen Untersuchung bringen. Wenn sich der Verdacht auf K.O.-Tropfen erhärtet, werden auch Blut- und Urinproben genommen. Körperliche Verletzungen werden dokumentiert. Auch mögliche DNA-Nachweise (Spermaspuren oder Schamhaare) werden als Beweise gesichert. Deshalb solltest du dich erst nach einer ärztlichen Untersuchung waschen oder duschen, auch wenn das zunächst eklig und unangenehm ist.

Deine Rechte bei der Polizei

  • Gehe möglichst nicht alleine zur Polizei und beantrage, dass deine Begleitperson bei der Vernehmung dabei sein darf. Das ist allerdings nicht möglich, wenn deine Begleitung Zeuge oder Zeugin ist.
  • Wenn du lieber von einer Frau vernommen werden möchtest, muss die Polizei versuchen, das möglich zu machen.
  • Wenn seltsame Fragen gestellt werden, kannst du nachfragen, warum sie gestellt werden.
  • Wenn die Vernehmung zu unangenehm wird, kannst du sie unterbrechen oder abbrechen. Du kannst deine Aussage später vervollständigen oder dich von einer anderen Beamtin vernehmen lassen. Du hast das Recht, eine Anwältin bei der Vernehmung dabei zu haben.
  • Unterschreibe das Vernehmungsprotokoll nur, wenn es 100% deine Aussagen wieder gibt. Lass alles, was nicht stimmt vor deiner Unterschrift verbessern.
  • Wenn Deutsch nicht deine Muttersprache ist, hast du das Recht auf eine/n Übersetzer/in, auch das Protokoll muss vor deiner Unterschrift übersetzt werden.

Es braucht Mut, zur Polizei zu gehen

Der sexuelle Missbrauch widerstandsunfähiger Personen ist eine Straftat.  
Angst und Schamgefühle nützen hier nur den Tätern! Je mehr betroffene Frauen und Mädchen den Mut haben, zur Polizei zu gehen umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass den Tätern das Handwerk gelegt wird. Zwar ist es belastend und stressig, direkt nach einer Vergewaltigung mit K.O.-Tropfen zur Polizei zu gehen. Die Chancen, den Täter zu ermitteln und zu überführen sind jedoch am größten, wenn du möglichst früh die Polizei kontaktierst.

Wenn’s passiert ist – ob dir selbst oder jemandem, dem du hilfst – muss schnell gehandelt werden. Es besteht Lebensgefahr! Den Notarzt (112) rufen und weitere 7 Soforttipps findest du hier.