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Julia - Studentin (25 Jahre)

Julia kommt aus einer Kleinstadt in Sachsen und lebt seit wenigen Wochen in Berlin bei Ihrem Freund. Sie hat ihr Studium in einer westdeutschen Stadt fast beendet, muss dort noch Prüfungen ablegen. Auf einer Party an ihrem Studienort lernt sie einen jungen Mann kennen, mit dem sie sich angeregt unterhält. Sie hat kein weiter gehendes Interesse an diesem Mann, da sie ihrem Freund in Berlin treu ist. Es wird spät und Julia amüsiert sich prima. Hinterher meint sie, bemerkt zu haben, dass dieser Mann sich mehrfach mit seinem Freund Zeichen gegeben hat, die sie aber nicht weiter beachtete.

Was ist passiert?

Stunden später: Sie wacht unbekleidet und übersät von Verletzungen in einer fremden Wohnung auf. Panisch verlässt sie den Ort. Dies taucht erst nach Wochen in ihrer Erinnerung auf. Außer den sichtbaren hat sie vaginale und anale Verletzungen und kann selbst nur erahnen, was mit ihr geschehen ist. In ihrer Wohngemeinschaft wacht sie viele Stunden später wieder auf und kommt zu vollem Bewusstsein.

Scham und Schuldgefühle

Julia unternimmt zunächst nichts. Sie zieht sich zurück, schämt sich, erzählt niemandem etwas von der Nacht. Sie fühlt sich schmutzig, unsicher, deprimiert, kann nicht schlafen und versucht zu vergessen. Auf die Idee, die Polizei einzuschalten kommt sie nicht. Sie fühlt sich ja selbst schuldig.

Während der nächsten Wochen tauchen in Träumen Erinnerungsfetzen auf.
Ihr Allgemeinzustand verschlechtert sich. Bei einem Besuch bei ihren Eltern, denen die Wesensänderung der Tochter auffällt, lässt sie sich überreden, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Lernen, mit der Ungewissheit zu leben

Die Vernehmung belastet sie zusätzlich. Die Beamten in der Kleinstadt sind überfordert und reagieren befremdet. Erst in Berlin bei ihrem Freund angekommen, beginnt sie sich Unterstützung zu suchen, bekommt über eine  Beratungsstelle Kontakt zu einer Anwältin und lernt in der Beratung mit ihren Gefühlen und vor allem mit der Ungewissheit umzugehen.
Ob der/die Täter ermittelt werden, ist nicht bekannt und wenn, erscheint es schwierig, ob sie wegen der fehlenden Beweise überführt werden können.

Wenn’s passiert ist – ob dir selbst oder jemandem, dem du hilfst – muss schnell gehandelt werden. Es besteht Lebensgefahr! Den Notarzt (112) rufen und weitere 7 Soforttipps findest du hier.